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Fachkräftemangel in Österreich: Ursachen, Folgen und Maßnahmen

Geeignete Fachkräfte zu finden und langfristig im Unternehmen zu halten, bleibt für viele Arbeitgeber:innen in Österreich eine Herausforderung. Doch wo fehlen aktuell besonders viele Fachkräfte, welche Ursachen stecken dahinter und welche Maßnahmen können Unternehmen selbst setzen?

Das Wichtigste im Überblick

  • Fachkräftemangel bleibt 2026 relevant: 78 % der befragten österreichischen Unternehmen sind davon betroffen, der hochgerechnete Bedarf liegt bei rund 155.000 offenen Stellen für Fachkräfte.
  • Die Ursachen sind vielfältig: Demografische Veränderungen, fehlende Qualifikationen und ein Mismatch zwischen verfügbaren Arbeitskräften und offenen Stellen spielen zusammen.
  • Die Folgen betreffen das gesamte Unternehmen: Fachkräftemangel kann die Arbeitsbelastung erhöhen, die Personalsuche verteuern sowie Umsatz und Innovationsmöglichkeiten beeinträchtigen.
  • Fachkräftesicherung braucht mehrere Hebel: Mitarbeiterbindung, Kompetenzentwicklung, attraktive Rahmenbedingungen, gezieltes Recruiting und internationale Fachkräfte können Teil einer langfristigen Strategie sein.

Fachkräftemangel in Österreich: die Lage 2026

Der Fachkräftemangel bleibt auch 2026 trotz schwieriger Konjunkturlage auf einem hohen Niveau. Laut Fachkräfteradar 2026 sind 78 % der befragten österreichischen Unternehmen in irgendeiner Form vom Mangel an Fachkräften betroffen. 56 % spüren ihn sehr oder eher stark. Der hochgerechnete Bedarf liegt bei rund 155.000 offenen Stellen für Fachkräfte.

Besonders stark betroffen sind aktuell:

  • Transport und Verkehr: 66 %
  • Tourismus und Freizeitwirtschaft: 63 %
  • Gewerbe und Handwerk: 62 %
  • Industrie: 58 %

Bei einzelnen Berufen berichten Unternehmen besonders häufig von Schwierigkeiten bei der Suche nach Mitarbeiter:innen:

  • Handel
  • Verkauf
  • Küche
  • Elektronik und Elektrotechnik 

Mehr als 60 % der Unternehmen geben außerdem an, dass die größten Besetzungsschwierigkeiten bei Positionen bestehen, für die ein Lehrabschluss benötigt wird.

Welche Berufe gelten 2026 als Mangelberufe?

Nicht jeder schwer zu besetzende Beruf ist automatisch ein offizieller Mangelberuf. Welche Berufe als Mangelberufe gelten, wird jährlich auf Basis der Entwicklung des österreichischen Arbeitsmarkts festgelegt.

Zu den bundesweiten Mangelberufen zählen 2026 beispielsweise:

  • Landmaschinenbauer:innen
  • diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger:innen
  • Techniker:innen für Starkstromtechnik
  • Triebfahrzeugführer:innen
  • Ärzt:innen

Gut zu wissen:

Die vollständige Liste der bundesweiten Mangelberufe finden Sie auf auf migration.gv.at

Daneben gibt es regionale Mangelberufe, die nur für bestimmte Bundesländer gelten.


Was bedeutet Fachkräftemangel?

Von Fachkräftemangel spricht man, wenn Unternehmen offene Stellen nicht oder nur schwer mit Personen besetzen können, die über die benötigten Qualifikationen verfügen.

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Warum fehlen in Österreich Fachkräfte?

Für den Fachkräftemangel gibt es nicht die eine Ursache. Mehrere strukturelle Entwicklungen wirken zusammen:

Mit dem Ausscheiden älterer Mitarbeiter:innen aus dem Erwerbsleben steigt der Ersatzbedarf. 47 % der befragten Unternehmen rechnen in den kommenden drei Jahren mit einer steigenden Zahl an Pensionierungen.

Besonders groß sind die Rekrutierungsschwierigkeiten bei Mitarbeiter:innen mit Lehrabschluss. Rund die Hälfte der befragten Betriebe würde mehr Lehrlinge ausbilden, wenn ausreichend geeignete und interessierte Jugendliche verfügbar wären.

Offene Stellen und verfügbare Arbeitskräfte passen nicht immer zusammen – beispielsweise hinsichtlich Ausbildung, Beruf oder Region.


Welche Folgen hat Fachkräftemangel für Unternehmen?

Fachkräftemangel ist nicht nur ein Recruitingproblem. Fehlen Mitarbeiter:innen, können bestehende Teams stärker belastet werden und gleichzeitig zusätzliche Kosten oder wirtschaftliche Einschränkungen entstehen.

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Hinweis: Die Werte beziehen sich auf Unternehmen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind.
Quelle: Fachkräfteradar 2026, ibw-Unternehmensbefragung zum Fachkräftebedarf/-mangel im Auftrag der WKO.

Wie sich der Fachkräftemangel in einzelnen Branchen auswirken kann, zeigt auch unser Beitrag zum Fachkräftemangel in der Steuerberatung.


Welche Maßnahmen helfen gegen Fachkräftemangel?

Gegen Fachkräftemangel gibt es nicht die eine Lösung. Unternehmen können jedoch an mehreren Stellen ansetzen, um benötigte Kompetenzen aufzubauen sowie Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten.

Bestehende Fachkräfte langfristig binden

Neue Fachkräfte zu gewinnen ist nur eine Seite der Fachkräftesicherung. Ebenso wichtig ist es, vorhandene Mitarbeiter:innen im Unternehmen zu halten. Attraktive Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten, regelmäßiges Feedback und sichtbare Wertschätzung können dazu beitragen.

Eine geringere Mitarbeiterfluktuation reduziert zudem den Aufwand, frei werdende Positionen erneut zu besetzen und verlorenes Know-how wieder aufzubauen.

Kompetenzen im eigenen Unternehmen entwickeln

Nicht jede benötigte Qualifikation muss extern rekrutiert werden. Unternehmen können Fachwissen gezielt im eigenen Team aufbauen, beispielsweise durch:

  • Weiterbildungen und Upskilling
  • interne Entwicklungsmöglichkeiten
  • Lehrlingsausbildung
  • Wissenstransfer zwischen erfahrenen und jüngeren Mitarbeiter:innen

Dafür sollten Arbeitgeber:innen frühzeitig analysieren, welche Kompetenzen künftig benötigt werden und welche davon intern entwickelt werden können.

Arbeitgeberattraktivität stärken

Attraktive Rahmenbedingungen können dazu beitragen, Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden. Neben dem Gehalt spielen dabei beispielsweise Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten, Flexibilität und Zusatzleistungen eine Rolle. Mitarbeiterbenefits ergänzen dieses Gesamtpaket und machen Wertschätzung im Arbeitsalltag sichtbar.

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Recruiting gezielter ausrichten

Auch bestehende Recruitingprozesse bieten Ansatzpunkte. Unternehmen können beispielsweise:

  • Anforderungsprofile auf tatsächlich notwendige Qualifikationen prüfen
  • passende Recruitingkanäle für die jeweilige Zielgruppe wählen
  • Bewerbungsprozesse möglichst unkompliziert gestalten

Wie Unternehmen ihre Personalgewinnung systematisch gestalten können, erfahren Sie in unserem Beitrag zum Recruiting.


Welche Rolle spielt die Rot-Weiß-Rot-Karte?

Neben Ausbildung, Mitarbeiterbindung und Recruiting kann die Gewinnung internationaler Fachkräfte ein weiterer Ansatz sein. Die Rot-Weiß-Rot-Karte ermöglicht qualifizierten Arbeitnehmer:innen aus Drittstaaten unter bestimmten Voraussetzungen die befristete Niederlassung und Beschäftigung in Österreich. Für Fachkräfte in Mangelberufen gibt es eine eigene Kategorie.

Für diese Kategorie gelten unter anderem folgende Voraussetzungen:

  • eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Mangelberuf,
  • ein verbindliches Arbeitsplatzangebot in Österreich und
  • mindestens 55 Punkte nach dem vorgesehenen Punktesystem.

Welche Berufe als Mangelberufe gelten, wird jährlich neu festgelegt. Unternehmen sollten deshalb bei einer konkreten Einstellung immer die aktuellen Voraussetzungen und Mangelberufslisten prüfen.

Weitere Informationen zur Rot-Weiß-Rot-Karte 


Fachkräftemangel langfristig begegnen

Der Fachkräftemangel lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme lösen. Unternehmen können jedoch Rahmenbedingungen schaffen, die die Gewinnung, Entwicklung und Bindung von Fachkräften unterstützen. Ein starkes Employer Branding, gezielte Personalentwicklung und attraktive Arbeitsbedingungen sind dabei wichtige Ansatzpunkte. So wird aus kurzfristiger Personalsuche eine langfristige Fachkräftesicherung.

Die zur Verfügung gestellten Informationen erfolgen ohne Gewähr und stellen keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Bitte wenden Sie sich hierfür an die entsprechenden Expert:innen.