Was ist die 4-Tage-Woche?

Seit einiger Zeit steht das traditionelle Arbeitsmodell rund um Fünf-Tage-Woche, tägliches Pendeln und Arbeit bis zur Rente auf dem Prüfstand. Vor allem der Wunsch nach mehr Work-Life-Balance, Trend hin zu Sabbaticals, Remote Work und Altersteilzeit fördern neue Modelle. Vier Tage arbeiten, drei Tage frei haben – genau das verspricht das Arbeitszeitmodell 4-Tage-Woche. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sich auch die Arbeitszeit ändert. An der Zahl der Arbeitsstunden pro Woche muss sich durch die 4-Tage-Woche nichts ändern.

Wichtig ist, dass arbeitsrechtliche Vorgaben zu Pausen und Überstunden beachtet und eingehalten werden müssen. In Österreich darf die Arbeitszeit grundsätzlich 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche nicht überschreiten. 

Den Unternehmen steht es frei, im Rahmen der 4-Tage-Woche auch die Arbeitszeit nach unten anzupassen, ohne das Gehalt zu kürzen, das ist aber eine freiwillige Entscheidung des Unternehmens. Dann wird zum Beispiel nur noch 32 Stunden pro Woche gearbeitet und der Freitag ist zum Beispiel immer frei. 

Voraussetzung für die Einführung einer 4-Tage-Woche mit geänderter Arbeitszeit ist stets die Zustimmung der betroffenen Mitarbeiter:innen – idealerweise im Rahmen einer Betriebsvereinbarung oder individuellen Vereinbarung.

Vorteile der 4-Tage-Woche

Eine 4-Tage-Woche bringt viele Vorteile, vor allem für die Arbeitnehmer:innen. 

Wer jede Woche einen zusätzlichen Tag frei hat, kann diesen nutzen, um mehr Zeit für Hobbys aufzubringen, mehr zu unternehmen, einem Side-Hustle (Selbständige Nebentätigkeit) nachzugehen oder schlicht den komprimierten Alltag zu entzerren. Auch mehr Zeit für Familie und Freunde ist dank der 4-Tage-Woche drin – sofern diese frei haben. 

Wer nur 32 Stunden hat, um seinen üblichen Workload zu erledigen, kann es sich nicht leisten, unkonzentriert zu arbeiten. Die Regierung Spaniens hat Anfang 2025 die Reduzierung der regulären Wochenarbeitszeit von 40 auf 37,5 Stunden beschlossen und erwartet sich dadurch mehr Produktivität. 

Richtig abschalten und den beruflichen Stress vergessen, ist an zwei freien Tagen oft nicht möglich. Ein weiterer freier Tag pro Woche kann das ändern und mehr Zeit bieten, um frische Energie und Motivation zu tanken. Auch kann das zu höherer Motivation und weniger Krankheitsausfällen führen.

Neben Zeit lassen sich durch das Arbeitszeitmodell 4-Tage-Woche auch Kosten einsparen. Wer nicht mehr an 5, sondern nur noch 4 Tagens ins Büro muss, braucht weniger Benzin.

Auch Arbeitgeber:innen profitieren von Kosteneinsparungen durch die 4-Tage-Woche. In Großbritannien wurden Ergebnisse eines Unternehmens veröffentlicht, das dieses Modell eingeführt hatte. Dort sanken die Stromkosten um 23 %, was auch auf effizientere Arbeitsprozesse und eine höhere Konzentration während der Arbeitszeit hindeutet.

Und natürlich sticht ein Unternehmen mit einer 4-Tage-Woche heraus – vor allem bei Bewerber:innen. In einem angespannten Arbeitsmarkt, in dem qualifizierte Fachkräfte heiß umkämpft sind, kann ein solches Benefit zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Nicht nur profitieren Mitarbeiter:innen von mehr Freizeit. Die verkürzte Arbeitswoche signalisiert auch eine moderne Unternehmenskultur, Wertschätzung und Innovationskraft.

Herausforderungen und Nachteile der 4-Tage-Woche

Es gibt aber auch Nachteile der 4-Tage-Woche. Vor allem für Unternehmen. Denn diese müssen sich überlegen, wie sie denselben Output in weniger Zeit erzielen. Nicht alle Branchen oder Tätigkeiten eignen sich für eine 4-Tage-Woche, z. B. Pflege oder Unternehmen mit Kundenservice mit Schichtbetrieb stehen vor größeren Hürden als andere. 

► Wer 40 Stunden in vier Tage packt, muss sich darüber klar sein, dass er oder sie dann zehn Stunden und mehr am Tag mit Arbeit beschäftigt ist. Und: Höhere Belastung an Arbeitstagen kann Stress verursachen und sich negativ auf die Konzentration auswirken.

► Wenn das Unternehmen zwar bereit ist, die Arbeitszeit zu reduzieren, aber nicht zu gleichen Bezügen, muss man sich überlegen, ob man bereit ist, die finanziellen Einbußen einzugehen. 

Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren

Wie kann die Einführung in der Praxis gelingen? An sich ist nicht viel dabei, es gilt lediglich ein paar Punkte zu beachten: 

Analyse der Arbeitssituation: Ermittlung von Kapazitäten, Engpässen und Optimierungspotenzialen.

Mitarbeiterbeteiligung: Einbindung der Mitarbeitenden in Planung und Umsetzung, regelmäßiges Feedback und transparente Kommunikation.

Prozessoptimierung: Effiziente Meetings, Automatisierung und klare Priorisierung der Aufgaben.

Technische Unterstützung: Einsatz digitaler Tools für Organisation und Zusammenarbeit.

Klare Regeln: Vereinbarungen zu Arbeitszeiten, Pausen, Erreichbarkeit und Urlaubsansprüchen.

Testphasen: Einführung zunächst als Pilotprojekt mit Evaluierung und Anpassungen.

4-Tage-Woche: Umsetzung in der Praxis

Die Umstellung auf eine Vier-Tage-Woche ist nichts, was von heute auf morgen gelingt. Daher ist bei der Umsetzung eine gute Planung der absolute Erfolgsfaktor. 

Von der Planung über Pilotphasen bis zur dauerhaften Einführung gilt es nicht zu überstürzen. Insbesondere die bürokratischen Punkte gilt es sorgfältig zu adaptieren. 

Offener Dialog mit Mitarbeitenden und Führungskräften ist wichtig, um Feedback einzuholen und Verbesserungsvorschläge zu erhalten.

Basierend auf diesem Feedback gilt es, das Arbeitszeitmodell 4-Tage-Woche anzupassen. Dabei geht es etwa um die Wahl des freien Tages oder die flexible Gestaltung der Arbeitszeit. Dieser Prozess muss auch nicht nach einem Mal beendet sein.

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